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Übung: Arbeit an Glaubenssätzen

Jeder von uns hat Glaubens- und Überzeugungssysteme, die eng mit unseren persönlichen Werten verknüpft sind. Im Blogbeitrag „Von Glaubenssätzen oder: Tyrannen im unserem Kopf“ bin ich bereits tiefer auf Fragestellungen eingegangen wie: Woher kommen sie? Was machen sie mit uns und unserem Leben? Sie beeinflussen unsere Motivation, Entscheidungen, Leistungsfähigkeit und prägen unseren Lebenswillen. In diesem Artikel möchte ich eine erste Methode vorstellen, mit der wir an unseren alten, negativen Überzeugungen arbeiten und sie Step by Step durch positive ersetzen können. Es liegt in unserer Hand, das ganze System umzudrehen. So entwickeln wir eine Betrachtungsweise auf uns und unseren Lebensweg, die unsere Ziele positiv untermauert und unsere Bedürfnisse unterstützt.

Bevor wir mit der Übung starten, möchte ich in diesem Zusammenhang auf Folgendes hinweisen: Einige unter uns haben in der Vergangenheit ggfs. so schlimme und persönlichkeitsverletzende Erfahrungen gemacht, dass ihr System zum Selbstschutz zu gemacht hat. Das erschwert sich den eigenen Überzeugungen und Erlebnissen zu nähern. In diesem Fall kann je nach persönlicher Geschichte eine parallele Begleitung durch eine*n Therapeut*in sehr hilfreich sein. So können wir uns in einem geschützteren, professionellen Umfeld mit den tieferen Verletzungen auseinandersetzen und schaffen es, auch größere Abgründe zu überwinden, um uns neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Wie setze ich die Übung um

Die Übung ist in sechs Schritte untergliedert, die alle eine intensive Auseinandersetzung mit dir selber mit sich bringen. Starke Gefühle können dabei auftreten. Entscheide im Verlauf entsprechend, ob du nach einzelnen Aufgabenstellungen eine Pause einlegst, damit sich das Erkannte erst einmal setzen kann. Plane dir entsprechend ein, wann du weiter machst bzw. dass dir für zweitere Steps genug Zeit zur Verfügung steht.

Step 1: Erkenne deinen Glaubenssatz bzw. deine -sätze

Wenn du bereits einen spezifischen Glaubenssatz hast, an dem du arbeiten möchtest, gehe weiter zu Step 2. Ansonsten begebe dich mit einer der folgenden Methoden auf die Suche nach Sätzen, die dir noch nicht bewusst sind. Ich biete dir eine Bandbreite an Übungen an, so dass du herausfinden kannst, mit welcher du am besten arbeiten kannst. Manche sehr hartnäckigen, alten Überzeugungen, werden sich ggfs. nicht sofort enttarnen lassen und so kannst du ausprobieren, auf welchem Weg du hier für dich weiter kommst.

Ein Tipp: Schreibe dir die Ergebnisse stets auf. Zum einen hilft die Visualisierung im Außen dein Thema mit etwas mehr Abstand zu betrachten, zum anderen kannst du dir später noch einmal alles anschauen und überlegen, wo du damit nun stehst.

Methode 1: Welche Verhaltensweisen oder welche Gefühle stören dich an dir?

Frage dich nach der Beantwortung: „Was muss ein Mensch denken oder glauben, der sich so verhält/ fühlt?“. Die Antworten untersuchst du vertiefend durch „weil?“ oder „und dann?“ oder „sonst passiert was?“. So stößt du auf die tiefer liegenden Überzeugungen und Ängste.

Methode 2: In welchen Lebensbereichen läuft es bei dir noch nicht gut?

Gehe in Gedanken deine Lebensbereiche durch: Partnerschaft, Beziehungen im Allgemeinen, Gesundheit, Freizeit, Finanzen, Beruf, Erfolg etc. Bereiche, in denen es nicht gut läuft, deuten darauf hin, dass sie durch negative Glaubenssätze blockiert sind. Schau sie dir genau an und überlege, welche negativen und limitierenden Gedanken im jeweiligen Segment in dir hochkommen. Beispiele: Du wirst in der Arbeit bei Beförderungen immer wieder übergangen – „Ich bin eh nicht so gut wie die anderen!“. Du bist seit langer Zeit Single – „Männer stehen nicht auf Frauen wie mich!“ etc.

Methode 3: Was ist dir wichtig, sind deine Ziele und Träume?

Erstelle eine Liste zu dieser Frage. Schaue danach, ob du bereits entsprechend lebst und bei der Umsetzung deiner Ziele und Träume bist? Ist das nicht so, dann stell dir folgende Fragen: Was oder wer hindert dich daran, dieses Ziel zu erreichen? Warum ist das so? Welche Bedeutung hat das für dich? Filtere entsprechend die dich betreffenden, negativen Glaubenssätze aus den Antworten.

Step 2: Fühle in deinen Satz hinein und fragen dich „Was hat er mit mir gemacht?“

©Hans Veth on Unsplash
So verführerisch, bunt, formenreich – und sooo giftig: unsere alten Glaubenssätze

Suche dir einen deiner Sätze aus, z.B. den, der bei dir die intensivsten Gefühle verursacht oder zu Anfang vielleicht denjenigen, der weniger Druck auf dich ausübt. Schließe die Augen und fühle in den Satz hinein. Welche Gefühle kommen hoch? Wie reagiert dein Körper? Was hat die Überzeugung mit deinem Leben gemacht? Wo kommt sie her, welche Situationen und Ereignisse der Vergangenheit kommen dir ins Gedächtnis? Hat sie dir zu dieser Zeit vielleicht bei irgendetwas geholfen, dich geschützt?

Step 3: Ist das wirklich so? Will ich das weiter so?

Öffne nach Step 2 wieder die Augen, atme ein paar Mal kräftig ein und aus, schau dich in deiner Umgebung um und komm wieder zurück ins Hier & Jetzt. Mach dir Notizen. Wende dich deinen aktuellen Zielen und Träumen zu. Frage dich: Wird mir diese Überzeugung nützlich sein, mein Leben so zu leben, wie ich will oder hindert sie mich am Weg? Nimmt sie mir meinen Glauben daran, dass ich erfolgreich und glücklich sein kann?

Hinterfrage nun deinen Glaubenssatz:

  • Ist er/das wirklich wahr?
  • Ist das in jeder Situation und mit jeder Person so?
  • Welche negativen Auswirkungen hat er auf mein Leben, meine Bedürfnisse, meine Ziele – Berufsleben/Familienleben/Partnerschaft/Finanzen/Gesundheit?
  • Stell dir vor, du lässt diese Überzeugung los: Wie würde es dir gehen? Wie würde dein Leben ohne sie aussehen? Was wäre dir plötzlich möglich?

Step 4: Suche nach konkreten Gegenbeweisen?

Suche nun aktiv nach Situationen, Menschen etc. in deinem Leben, die ein Gegenbeweis für den negativen Glaubenssatz sind. Wo lief es schon einmal gut? In welchem Bereich deines Lebens sieht es vielleicht ganz anders aus?

Step 5: Transformiere den negativen Glaubenssatz in eine positive Affirmation

©carolyn christine on Unsplash

Nachdem du den Glaubenssatz nun als nicht/immer wahr enttarnt hast, entwickle im nächsten Schritt einen neuen Satz, der dir eine wohlwollende, dich fördernde Nachricht über dich und dein/e Vorhaben vermittelt. Eine solche neue Überzeugung nennt man auch Affirmation. Durch ihre regelmäßige, langfristige Wiederholung bewirkst du neurologisch, dass sich neue Verknüpfungen von Nervenzellen in deinem Gehirn bilden und fest in deinem Bewusstsein etablieren. So wird deine Zielerreichung nun positiv unterstützt, anstelle negativ boykottiert.

Folgende Fragen und Tipps können dir beispielsweise bei der Suche nach der passenden Affirmation helfen:

  • Wie lautet mein negativer Glaubenssatz im Positiven?
  • Was ist wirklich wahr?
  • Was müsste ich wie anders sehen, um mein Leben und meinen Blick auf mich positiv zu verändern?
  • Richte den Satz auf ein konkretes Ziel aus wie „Wie müsste der Satz lauten, um mich bei der Erreichung meiner Ziele zu unterstützen?“ oder „Wie möchte ich mich fühlen mit dem neuen Satz – welche Formulierung passt dazu?“

ACHTUNG, beachte folgendes: Affirmationen sollen

  • … wirklich positiv sein und ein rundum gutes Gefühl in dir auslösen – sie sind in Zukunft dein Zielmagnet. Fühlst du seine Anziehungskraft auf dich?
  • … sich glaubwürdig für dich anfühlen. Wenn du dich z.B. als zu dick empfunden hast, funktioniert es nicht einfach zu formulieren: „Ich habe meine Traumfigur“ – es sei denn, bei der Suche nach dem Glaubenssatz hast du festgestellt, dass das doch so ist. Du kannst den Satz z.B. als bestimmtes Verhalten formulieren, dass dir beim Abnehmen behilflich ist. Ein weiteres Beispiel: beim Glaubenssatz „Ich bin unfähig“ hilft die Affirmation “Ich kann alles“ nicht wirklich weiter. Hier könnte ein Ansatz sein: „Ich kann bereits sehr viel und lerne täglich hinzu.“
  • … konkret formuliert sein
  • … sich auf dich beziehen, denn dein Unterbewusstsein kann nur dich ändern 😉

Beispiele für Affirmationen:

©Luca Upper on Unsplash
  • Es darf auch leicht gehen!
  • Genauso, wie ich bin, bin ich richtig!
  • Ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin!
  • Ich kann auf meine Stärken bauen!
  • Ich bin stark genug, mein Leben positiv zu verändern!
  • Ich verfüge über alles, was es für den nächsten Schritt zu Ziel xy braucht!
  • Ich kann anderen vertrauen!
  • Ich darf meinen ganz eigenen Weg gehen!
  • Ich darf gut für mich sorgen!
  • Ich verzeihe mir selbst und kann xy loslassen!
  • Ich habe den Mut meine Meinung zu sagen!
  • Ich bin es mir wert gesehen zu werden!
  • Ich bin es mir wert Grenzen zu ziehen!
  • Ich bin ein Geschenk für meinen Partner/Kinder/Familie/die Welt!

Step 6: Festige deinen neuen Glaubenssatz – etabliere neue Verhaltensweisen!

Und nun geht es ums Durchhalten und dass du dir selber beweist: Will ich mein Leben wirklich ändern? Will ich Ziel yx erreichen? Dann heißt es Ärmel hochkrempeln und ran an die Transformation im Alltag.

Üben, praktizieren, ins Tun kommen:

  • Wiederhole deine Affirmation/en konsequent täglich – am besten schon direkt morgens zum Einstieg in den Tag, vor dem Schlafengehen und während des Tages
  • Übe einen längeren Zeitraum (starte mit minimal einem Monat): Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und braucht seine Zeit, um sich zu verändern. Außerdem braucht der Prozess der Verknüpfung neuer Nervenzellen seine Zeit – da wird richtig „neu gebaut“ 😉
  • Schreib sie immer einmal wieder auf, deine Affirmationen – es so klar vor Augen zu haben tut gut. Vielleicht stellst du sie auch an dein Bett, ins Bad oder oder?
  • Sag dir den Satz auch gerne laut vor. Vielleicht findest du sogar eine Melodie für ihn – je mehr Sinne involviert sind, desto breiter etabliert sich das Neue im Gehirn.
  • SEHR wichtig und passend zum obigen Punkt: Stell dir deinen Endzustand/dich mit deinem erreichten Ziel täglich mit allen Sinnen vor: Wie sieht das genau aus, fühlt es sich an, riecht es vielleicht oder schmeckt? Wer ist dabei? Wo bist du? Wie fühlt sich die Sonne auf deiner Haut dabei an oder der Wind im Gesicht, der Kuss deines Liebsten etc. Kuschle dich richtig ein in die Situation, so dass du sie jetzt schon wie bereits erreicht fühlen kannst. So wird die Kraft deines Zielmagnet größer und größer und du wirst zum Magnet all dessen, das dich bei der Erreichung deines Zieles unterstützt!
  • Überlege, wie du deine Zielerreichung schon jetzt aktiv mit unterstützen kannst – und TU ES!:
    • Welche neuen Verhaltensweisen helfen dir dabei, deinem Ziel SCHON JETZT näher zu kommen?
    • Welche alten solltest du ad acta legen?
    • Zu welchen Schritten bist du ab wann bereit – noch einmal: der erste am besten schon jetzt 😉
    • Was darfst du vielleicht noch lernen, um an dein Ziel zu kommen?
  • Schreibe dir am Anfang jeden Tages auf, was du heute umsetzen willst. Es muss nicht immer etwas Großes sein. In Bewegung kommen und bleiben ist wichtig – und bring erste Erfolgserlebnisse.
  • Entwickle ein Auge für die täglichen Bestätigungen deiner Affirmation
    • Führe zum Beispiel ein Dankbarkeits-/Tagebuch: Schreibe dir jeden Abend vor dem Schlafengehen auf, in welchen Situationen sich dein positiver, neuer Satz schon bestätigt hat oder du ihn. Hier kannst du auch notieren, auf was du heute stolz bist, welches deiner Tagesziele du erreicht hast etc.
  • Setz dir Meilensteine und FEIERE ERFOLGE! Wir sind sooo gut darin, uns zu kritisieren, aber das wird jetzt ja anders: Setze dir Etappenziele und plane dir kleine Belohnungen bei Erreichung ein.
  • Und wenn du einmal „rückfällig“ geworden bist: Das darf passieren und macht nichts! Sobald dir auffällt, dass du wieder in deinen alten Satz, altes Verhalten o.ä. zurückgefallen bist, nimmt dir einen Moment Zeit, setz dem Alten ein klares STOP entgehen und praktiziere mit dem Neuen weiter. Verteufelst du dich dafür zu sehr, nimmst du dir Kraft und Hoffnung damit – und beides setzt du viel besser für deine Zielerreichung ein!

Alles in allem heißt es: Geduld haben und Zuversicht bewahren. Weder wurde Rom an einem Tag erbaut, noch gehen Glaubenssätze, die du viele Jahre mit dir herumgeschleppt hast, von heute auf morgen. Manche Glaubenssätze gehen auch in Stufen, vielleicht zu vergleichen mit einer Zwiebelhäutung: Du lässt Schicht für Schicht ziehen bis du ganz tief in dir fühlst, dass die Affirmation nun wirklich deine Wahrheit ist, du dir die Erreichung deiner Ziele jetzt wirklich zugestehst. Durch intensive und regelmäßige Praxis verankern sich die neuen Überzeugungen so tief, dass sie nach einer Zeit zu deiner neuen Wahrheit und deinem neuen Leben werden.

Ich wünsche dir viel Erfolg, Mut und einen liebevollen Umgang mit dir, denn das hast du so verdient: Du bist sehr mutig! und mit uns gemeinsam unterwegs

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